30 Juni, 2017

Das moderne flimmernde Kindermädchen

Letztens hat sie mich beim "Werbungraten" fast abgezogen. Kennt ihr das Spiel?
Man schaut die nervigen Werbeblöcke während eines Filmes und versucht so schnell wie möglich zu erraten, um welche Werbung es sich handelt.

Die Werbeslogans sitzen perfekt
"Und was fühlst du?"
"Ich bin doch nicht blöd"
"smavaaaaaa"

Da hab ich keine Chance. 
(Ich gewinne trotzdem, denn ich kann die kleinen Logos in den Ecken des Bildschirms lesen, die während der Werbeblöcke aufblinken). Hat sie einfach nur eine hohe Auffassungsgabe oder schaut sie wirklich viel zu viel fern?






In ihren ersten Lebensmonaten habe ich akribisch darauf geachtet, dass der Fernseher möglichst gar nicht lief, wenn das Mädchen sich im Zimmer befand. Nach ihrem ersten Geburtstag war eine gelegentliche Folge Sandmännchen am Abend in Ordnung. Noch ein halbes Jahr später entdeckte sie den Kinderkanal.
In Maßen. Bloß nicht zu viel fernsehen! Als belesene Supermami war mir natürlich klar, dass das Zuckermädchen ihre Fernsehmomente nur unter Einsatz meines schlechten Gewissens genießen konnte.

Aber irgendwann entdeckte den Kinderkanal und seine Vorzüge auch für mich.
Denn ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich mich heute bei der Fernsehzeit meiner Tochter exakt an Vorgaben und Empfehlungen halte. Oder dass hier hauptsächliches pädagogisch wertvolles Wissensfernsehen läuft.

In manchen Momenten geht doch nichts um die faszinierende Magie des Fernsehers. Und da meine ich nicht mal gemeinsame Fernsehabende, die wir eingekuschelt und mit Snacks eingedeckt auf dem Sofa verbringen und gemeinsam einen knallbunten Animationsfilm, einen kitschigen Teenieliebesfilm oder eine Folge GNTM schauen.
Nein! Ich meine die Momente, in denen ich

  • echt mal dringend telefonieren muss
  • eben schnell die Küche aufräumen will
  • endlich mal lange duschen müsste
  • noch kurz eine Runde Sport einlegen möchte 
  • oder einfach mal eine halbe Stunde meine Ruhe brauche

Ja! Ich nutze den Fernseher als meinen Kindermädchenkumpel.
Manchmal und ganz sicher nicht stundenlang, aber dafür ganz ohne schlechtes Gewissen.
Ich kontrolliere das Programm und wir reden vorher, hinterher oder währenddessen über das, was wir sehen, über Gefühle und Empfindungen während eines Films oder über manipulative Wirkung von Werbung Es ist faszinierend, wie Werbung bei den Kleinsten wirkt! Neulich zappte sich das Mädchen für ein paar Minuten in einen Shoppingkanal und versuchte mich anschließend zu überzeugen, dass wir dringenst ein neues 17 in 1 Schneidegerät benötigen, da es heute und nur heute für nur 69,99€ auch noch ein original Schnippedischnappsupermesser dazu gäbe. (Faszinierend, aber auch augenöffnend.)

Natürlich: Wir sind beide viel lieber an der frischen Luft, unternehmen etwas oder spielen ein Spiel und der Fernseher bleibt auch gerne mal einen Tag lang aus. Aber manchmal brauchen wir ein Päuschen oder haben auch einfach mal Lust uns berieseln zu lassen. 

Wie haltet ihr das?

Lieblingsgrüße!


Kommentare:

  1. ach, ich habe inzwischen gar kein schlechtes gewissen mehr, wenn sie zwischendurch mal was ansehen. Fernseher haben wir ja keinen aber in Zeiten des internets kannst du ja immer was sehen. das tun sie dann auch und die meisten Sachen, die sie sich aussuchen sind in irgendeiner art lehrreich und sei es nur, ihnen neue spielimpulse zu liefern. manchmal denken wir eine Woche kaum dran, was sehen zu müssen und dann mal wieder öfter und länger am stück. wichtig ist doch ein gesunder umgang, oder? und wer sagt denn, dass wir mamas diesen Babysitter nicht auch öfter ausnutzen dürfen solange es ein schönes maß gibt.
    Bussis andrea

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  2. Wir haben den Vorteil, dass wir gar kein Fernsehprogramm haben! Wir haben natürlich einen Fernseher zum DVDs schauen und haben AmazonPrime, so dass wir dort eine große kostenfreie Auswahl haben. Die Vorteile liegen auf der Hand: keine Werbung, keine Zeitvorgaben, ausgewählte Filme und Serien und die längeren Filme können in Etappen angeschaut werden (meine 3,5jährige schaut 10-20min pro Tag, die 7,5jährige um die 30min; Ausnahmen gibt es natürlich auch aber selten). Dadurch dass bei uns der Fernseher kaum läuft und vor allem nicht nebenher, entstehen auch kaum Diskussionen und die Große weiß auch, warum wir das so handhaben. Kindermädchen ist der Fernseher also nicht. Meine Ruhe bekomme ich meist auch ohne Fernseher (dadurch dass sie meist abends schauen, koche ich nebenher und habe dadurch ohnehin keine Pause). Was mir im Gegensatz zu anderen Kindern auffällt, ist dass meine beiden sehr konzentriert schauen (fast schon gebannt). Da wird nicht nebenher noch was anderes gemacht, wie es teils bei Kindern der Fall ist, bei denen der Fernseher viel läuft und auch nebenher.

    LG
    Corina

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